Ich bin fertig.

Quelle pixabay.de
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Ich bin fertig. Das ist ein Satz, den man heute nur noch selten in einem anderen Sinn versteht oder zu hören bekommt als in der Form auszudrücken, dass man nicht mehr kann. Ich bin fertig ist zu einem Synonym geworden für: Ich bin alle, ausgebrannt, nicht mehr eigenständig in der Lage zu leben...


Hab ihr schon mal probiert, was passiert, wenn ihr diesen einen, kurzen Satz mal anders gebraucht, zum Beispiel im Sinne von: Ich habe eine Aufgabe erledigt, sie geschafft?

Das ist ganz spannend, meine Erfahrungen sind dann eigentlich alle immer gleich, mit Glück bekommt man noch den 'Glückwunsch' aber spätestens danach kommt ein: na dann kannst du ja hier (bei mir) gleich weitermachen; man steht ja wieder zur Verfügung.

Oder versucht mal zu sagen: Ich bin mit meiner Entwicklung fertig; ich bin jetzt ein reifer, ausgewogener, gesunder und erwachsener Mensch. Die darauf folgenden Reaktionen sind immer die besten: ah ja, bist du jetzt also erleuchtet oder was besseres oder wie darf ich das verstehen?

Ich bin fertig bedeutet doch nichts anderes als: Mit meiner im Moment zur Verfügung stehen Kraft habe ich, im mir bekannten Rahmen, gerade einen zufriedenstellenden Punkt erreichtNach diesem Punkt hört das auf, was wir als Lust bezeichnen.
 
Jetzt überlegt mal, was passiert, wenn ihr sagt: Ich bin fertig, weil ich keine Lust mehr habe?
 
Empörung macht sich mit großer Wahrscheinlichkeit breit, aber wie kommt das? Wieso ist das nicht in Ordnung, wenn man keine Lust, keine Freude mehr an etwas hat? Wieso ist es erst in Ordnung, wenn man keine Kraft mehr hat?

GESUNDE GRENZEN

Heutzutage fehlt es den meisten von uns an gesunden Grenzen. Im Wahn nach Freiheit haben wir so viele äußere Begrenzungen überwunden und damit den Weg bereitet für eine Arbeits- und Lebensgemeinschaft, in der bitte noch mehr, noch schneller gehen soll.

Ein gesundes Verhältnis, welcher Natur auch immer, besteht aber immer aus Beziehung und Erziehung und da versagt dieser Tage unsere Politik deutlich - denn Grenzen werden heute niemandem gegenüber mehr aufgezeigt. Ich bitte diesen Satz nicht misszuverstehen, es geht nicht um eine Rückkehr ins Dritte Reich oder in die Isolation; es geht um das gesunde Aufzeigen vorhandener Grenzen und das bitte nicht erst, wenn wir alle fertig sind...

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Kommentare: 2
  • #1

    Frank (Mittwoch, 19 Dezember 2018 08:48)

    Insgesamt mag ich den Text und die Fragestellung. Möchte behaupten, die Wahrheit liegt in der Mitte. Der Mensch braucht mal die Anstrengung über die Komfortzone hinweg, aber braucht aber auch Zeiten in denen er seine eigenen Grenzen wahrt. Eine gesunde Mischung eben.

  • #2

    Antwort des Autors (Donnerstag, 20 Dezember 2018 09:09)

    Ich glaube, ich weiß, welcher Frank mir da schreibt ☺ in jedem Fall Danke für das produktive Feedback und wenn ich richtig liege, liebe Grüße nach Hamburg!