Betriebliches Gesundheitsmanagement

 

Warum funktioniert das betriebliche Gesundheitsmanagement nicht?

 

Ganz einfach, weil es funktioniert...

Wie? Das verstehen Sie nicht? Ich helfe Ihnen gerne auf die Sprünge:

 

In den meisten Firmen, die sich für ein betriebliches Gesundheitsmanagement und dessen Umsetzung entscheiden, geht es häufig nur um die sogenannte betriebliche Gesundheitsförderung - das sind geldliche Mittel, die man bei den Krankenkassen beantragen kann und mit denen man dann Programme und Kurse für die Mitarbeiter anbieten darf. Die Angebote der Krankenkassen sind meiner Meinung nach aber nicht Ihr Geld wert und die Effekte verpuffen noch vor Kursende.

 

Ich will aber nicht wie sonst in meinen Texten ganz so streng sein und sage, selbst wenn ein Unternehmen ein wirkliches, betriebliches Gesundheitsmanagement auf die Beine stellt oder vielleicht sogar eine Fremdfirma damit beauftragt, entsprechende Umfragen, Strategien und Analysen durchzuführen um passende Programmpunkte und Anbieter ausfindig zu machen und die Firma zudem noch bereit ist selbst Geld in die Hand zu nehmen um nicht nur subventionierte Programme der Kassen zur Verfügung stellen zu können, selbst dann werden all diese Bemühungen nur für einen Augenblick einen positiven Effekt haben.

 

Warum funktioniert das betriebliche Gesundheitsmanagement also nicht, ich frage noch einmal?

 

Ein optimierendes Management muss in alle Bereiche eines Unternehmens(systems) eingreifen (dürfen); blockiert ein Zahnrad im Getriebe, läuft der neue Motor nicht rund und es kommt zu Aussetzern oder Schlimmerem ODER es passiert einfach gar nichts und alles bleibt beim Alten. In einem Unternehmen sitzen alle in einem Boot.

 

Haben Sie bei einem Yogakurs in Ihrem Unternehmen schon mal den Chef oder den unmittelbaren Vorgesetzten neben sich auf der Matte gesehen, wie er oder sie sich windet um eine Position in den Asanas einzunehmen? Ich wette, nein!

 

Vorgesetzte sind nicht nur Menschen, die uns manchmal einfach ungefragt vorgesetzt werden, sie haben auch Vorbildcharakter und dieser wirkt sich auf die Mitarbeiter stärker aus, als den meisten lieb ist. Arbeitet mein Vorbild im Durchschnitt 50-60 Stunden die Woche oder mehr, nimmt Beruhigungsmittel, Antidepressiva, Schmerz- oder Schlafmittel, ernährt sich nicht ausgewogen und Sport ist ein Fremdwort oder wird so exzessiv betrieben, dass die Lunge aus dem letzten Loch pfeift, dann können die Mitarbeiter noch so viel Bio-Obst in der Kantine bekommen oder zusammen eine teambuildende Veranstaltung im Grand Canyon oder sonst wo machen, es wird alles keinen langfristigen Effekt im Unternehmen haben, weil die "Spitze" nicht als gutes Vorbild vorangeht.

 

Die Zukunft des Führens wird schon seit einiger Zeit im Silikon Valley in Frage gestellt und es wird immer wieder getestet, wie und wo man noch optimieren kann. Aktuelle Trends gehen in Richtung ausgewogenere Aufgabenverteilung und weitereichendere Verteilung der einzelnen Verantwortunsbereiche. Die Führungskräfte einiger ausgewählter Unternehmen dürfen als Konsequenz zum Beispiel nicht mehr als 30 Stunden die Woche arbeiten. Sie bekommen teilweise sogar noch einen Coach an die Seite gestellt, einen Ernährungsberater oder einen Personal Trainer und das einfach deshalb, weil man festgestellt hat, dass gesunde und ausgewogene Menschen langfristig viel effizienter und leistungsstärker arbeiten als Kollegen in altbewährten Unternehmensstrukturen...

 

Ein wirkliches, betriebliches Gesundheitsmanagement, welches sich durch alle Reihen eines Unternehmens zieht, funktioniert hervorragend, stellt aber Strukturen und alte Glaubenssätze in Frage und da liegt der Knackpunkt: Führungsspitzen reagieren extrem skeptisch auf Veränderungen. Wer mehr Sorge und Verantwortung übernimmt, als er eigentlich bewältigen kann, entwickelt einfach in der Konsequenz auch entsprechende Verlustängste - diese Ängste machen Veränderungen so mühselig.

 

"Unser Unternehmen leistet seit über 100 Jahren hervorragende Arbeit und hat auf diesem Wege Erfolge erzielen können, die ihresgleichen suchen...",

 

das Problem an solchen Aussagen ist nur, dass die Menschheit seit den Anfängen der Industrialisierung nicht nur viel Entlastung sondern auch viel Mist erzeugt hat und die Auswirkungen wurden seit dem Einsetzen der Digitalisierung nur noch beschleunigt. Was einmal "erfolgversprechend" war, funktioniert heute im besten Fall nur noch mit Gewalt und Gewalt hat immer eine Halbwertszeit.

 

Darum wird es Zeit für ein Umdenken. Der folgende Film ist nur ein Teil einer Bewegung, die sich versucht in eine zukunftsweisende Richtung zu orientieren, weg vom nazistisch-egoistischen "nach-mir-die-Sintflut" Unternehmertum hin zu einer sinnvollen Aufgaben-, Macht- und Verantwortungsteilung. Es wird Zeit für ein Umdenken und ein Umlenken - heute! - nicht morgen.

 

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