Unser Verhalten

Quelle pixabay.de
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Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit dem Thema Muttermilch und Stillen. Was diese so hoch gepriesene Nahrungsquelle tatsächlich im menschlichen Körper eines heranwachsenden Menschen macht, ist jedoch noch gar nicht weitergehend erforscht. Lediglich die positiven Eigenschaften wurden gründlich erörtert und werden auch heute noch bedenkenlos weitergegeben. Der Akt an sich wird einfach empfohlen, ungeachtet der Umstände, der möglichen Konsequenzen für den Einzelnen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf das Gesamtsozialverhalten. Die Grundlage dafür ist lediglich der Glaubenssatz: "Muttermilch ist eben einfach das beste für's Kind."

 

Seit ein paar Jahren verfolge ich nun den Ansatz, dass Muttermilch nicht nur sehr nahrhaft ist, sondern zudem einen natürlich betäubenden, beruhigenden (stillenden?) Charakter hat und Verhaltensweisen womöglich leichter damit aufgenommen werden können (erste Prägungen).


Auf einen Neugeborenen wirken unzählige Impulse ein, die es erstmal zu verarbeiten, einzuordnen und zu verstehen gilt; substanziell (Nahrungsmittel) wie auch emotional (Vorgeschichte und Belastungen unserer Bezugspersonen) und informativ (die Strukturen unserer modernen Welt). Eine solche Masse an Impulsen natürlicher und künstlicher Herkunft, wie wir sie heute haben, ist eine enorme Herausforderung für jedes Lebewesen auf Erden. Zeitgleich werfen Menschen mit "Tatsachen" um sich, die bei näherer Betrachtung alles andere als Durchdacht sind, aber einfach für "richtig" angesehen werden.

 

Meine Theorie ist nun, dass Muttermilch uns hilft, auf Kosten einzelner Verhaltens- und Bewegungsspielräume in uns, andere Bereiche schneller und weitergehender entwickeln und ausbauen zu können, ohne den damit verbundenen Druck und Schmerz bewusst erleben zu müssen; wir entwickeln einzelne Tendenzen also stärker als andere, bauen also unsere "Stärken und Schwächen" im menschlichen Verhalten aus.

 

Zwischen 1800 und 1900 gab es bereits Theorien, dass über Muttermilch sowohl Charaktereigenschaften als auch moralische und ethische Einstellungen und Verhaltensweisen übertragen würden. Im Frankreich des 19. Jahrhunderts gab es einen Gesetzesvorschlag, unmoralischen Müttern die Pflege ihrer eigenen Kinder zu verbieten, so dass sich die unmoralischen Züge nicht über die Milch übertragen könnten. Diese Theorien wurden jedoch während zweier Weltkriege verworfen und als Unsinn angesehen und die "Kraft der Muttermilch" wurde im Dritten Reich wieder mehr denn je gelobt und angepriesen.

 

Dieses "Mittel", welches in Stillforen auch heute noch als alternativlos gehandelt wird, würde ich selbst gerade in unserer modernen Welt tatsächlich weiterhin als sehr hilfreich bezeichnen für die ersten Jahre menschlichen Daseins. Wir dürfen das Umfeld und alle andere Einflüsse auf das Kind bei all den guten Nährstoffen aber nicht außer Acht lassen. Wenn wir durch das Stillen zumindest vorübergehend Zugänge zu uns selbst verlieren, würde das nicht das Ungleichgewicht im Verhalten unserer heutigen Gesellschaft erklären, die starken Entfremdungserscheinungen (Dissoziationen) von uns selbst, der Verlust des gesunden Bezuges zu unserer Umwelt und Natur? Was macht das mit einem Kind, wenn die Mutter beim Stillen in einer städtischen U-Bahn sitzt und Existenzängste hat?

 

Ich denke diese These kann viel Verständnis erzeugen für wiederkehrenden Schmerz, unterschwellige Ängste und Leid. Sie würde zudem verdeutlichen, warum nicht gestillte Menschen sich zeitlebens so schwer tun in der Ausprägung und Entwicklung vermeidlicher Stärken und allgemein deutlicherer Charakterzüge einzelner Lebensbereiche.

 

Studien behaupten, dass gestillte Kinder sozial anpassungsfähiger sind - dem würde ich nicht widersprechen - was aber, wenn dieses soziale Umfeld noch Glaubenssätze und Verhaltensweisen aus dem Dritten Reich beinhaltet? Ein solches "Informationsmaterial" in Verbindung mit einer Nahrungsquelle wie der menschlichen Muttermilch, deren Strukturen ein Kind einfach als von sich selbst untrennbar, eigen und unwiderrufbar auffässt, halte ich für eine hoch explosive und schwierige Sache. Wie soll sich jemals etwas im Verhalten der Menschen ändern, wenn er oder sie bereits "mit der Muttermilch" völlig unzeitgemäße Verhaltensstrukturen übermittelt bekommt?

 

Ich glaube der Start in ein modernes Leben ist für einen gestillten Menschen leichter und rein von den Nährstoffen her auch weiterhin empfehlenswert. Die langfristigen Defizite und das Ungleichgewicht, welches aber durch unausgewogene Verknüpfungen dabei entstehen können, sollten in unserer Ausbildung und Erziehung eingehender erforscht und aufgezeigt werden und die daraus resultierende Notwendigkeit, später im Alter für Ausgleich sorgen zu müssen, darf nicht länger außer Acht gelassen werden.

 

Von jedem wird heute Eigenständigkeit und ein gesundes Verantwortungsbewusstsein erwartet, da ist aber kaum einer, der auch entsprechende Zusammenhänge und mögliche Verknüpfungen aufzeigt und das wäre sicherlich eine lohneswertere Alternative zu einem Krankenkassensystem, was erst hilft, wenn das Kind bereits im Brunnen liegt und dann auch nur mit Mitteln und Wegen, die uns weiter betriebsam und aufrecht halten, aber nicht gesund und leistungsfähig.

 

"Nur weil der Mensch etwas kann, macht das sein Verhalten nicht gesund oder richtig."

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Peter (Samstag, 10 November 2018 12:14)

    Wow! Gerade über einen Link entdeckt, aber wenn das so stimmt, das muss man erstmal verdauen. Hochachtung aber für die Idee und beste Grüße aus Ulm