Der Bezug zur Natur

"Ich weiß nur, dass man die Welt leben und gedeihen lassen soll, aber ich weiß nichts davon, dass man die Welt erst noch in Ordnung bringen müsste..." - Zhuangzi, 4. Jahrhundert vor Christus

 

Haben wir den Bezug zur Natur verloren? Ich lese dieser Tage oft davon, dass der Mensch den Bezug zur Natur verloren hat. T. T. Chang beschrieb bereits 1982 in einem Versuch das "Dao" des Taoismus zu erklären, eine Individuationsordnung, eine natürliche und eine soziale Ordnung im Widerstreit.

 

Wer sich mal ein wenig die Biologie menschlicher Zellen anschaut, wird auch hier eine interessante Entdeckung machen: Zellen einer Gewebeeinheit reagieren aufeinander und sind unweigerlich miteinander verbunden. Gewebe untereinander haben jedoch autonome Stellungen und man könnte sagen, sie betreiben lediglich handel miteinander.

 

Ob wir im Leben nun eine soziale Ordnung oder eine natürliche Ordnung favorisieren, hängt also lediglich von der Sichtweise ab, die wir einnehmen, denn beides ist vorhanden, bereits in uns selbst.

 

Arbeiten wir beruflich vermehrt mit Menschen zusammen, haben wir nur noch menschliche Errungenschaften und deren Reize um uns herum, entsteht unweigerlich eine Favorisierung sozialer Ordnungsmaßstäbe. Die Folge: wir sehnen uns nach Natur, nach natürlichen Strukturen und deren Ordnung oder wir verleugnen unsere Natur und versuchen uns "erfolgreich" gegen sie zu wehren und zu behaupten.

Arbeiten wir als Waldarbeiter, Landwirte oder anderweitig in der Natur und meiden künstlich erschaffene Reize, entsteht eine Sehnsucht nach menschlicher Ordnung, nach Zusammenleben und sozialen Strukturen, die die Phantasie beflügeln und Erfindungsreichtum anregen können oder uns verschroben und eigensinnig machen.

 

Tatsache ist, wir können nichts verlieren, was in uns selbst vorhanden und verankert ist, ganz gleich wie oft wir zur Osteopathie laufen um natürliche Strukturen zu "lösen" oder wie sehr wir auch versuchen "wertfrei" zu leben um unsere sozialen Kapazitäten auszureizen. Wir können weder unser Mitgefühl zu Wesen gleicher Gattung noch unsere Zugehörigkeit zur Natur langfristig umgehen.

 

Ein möglicher Vorschlag zur Lösung, den ich für deutlich sinnvoller halte, als die "Entscheidung" für eine von beiden Seiten fällen zu müssen (da uns ja die Zeit für beides fehlt!?), wäre zu überlegen, wie wir unser (Zusammen)Leben so gestalten können, dass für beide Anteile Zeit entsteht; ein gesundes Zeitmanagement sozusagen. Ohne eine solche übergeordnete Ordnung, wird der Kampf, das Gefühl der Zerrissenheit in uns, aber auch die daraus resultierende Gier, nie ein Ende finden.

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