gestörtes Konsumverhalten

Was haben Essstörungen, Kaufrausch und Wissensdurst gemeinsam? Sie alle beschreiben eine Störung im sogenannten Konsumverhalten.

 

Durch Konsum versuchen wir Lücken zu schließen - daran ist nichts verwerflich. Wo in dieser Hinsicht die Grenzen zwischen einer leichten und manchmal durchaus auch amüsanten Variante des Konsums und krankhaftem Verhalten stehen, müssen Ärzte und Psychologen klären.

 

Ich möchte mit diesem Artikel dafür sensibilisieren, wo die Unterschiede in der Gewichtung der übergeordneten Bereiche herrühren und was in unseren eigenen Händen liegt, denn es ist offenkundig, dass Menschen sich eher unangenehm berührt fühlen, wenn es um das Thema Essstörung geht, als wenn jemand kiloweise Bücher verschlingt oder ausgiebig shoppen geht.

 

Im Grunde ist meine Erklärung hierfür ganz einfach und geht zurück auf die menschlichen Bereiche Körper, Geist und Seele:

 

Der Körper steht mit seinem Erscheinungsbild und seinen Beschwerden in unserer Gesellschaft immer noch im Vordergrund. Es ist ja auch das erste, was wir sehen und das Medium, welches wir in den meisten Fällen am bewusstesten wahrnehmen. Entsprechend sind körperliche Beschwerden oder Auffälligkeiten im Erscheinungsbild für viele Menschen schon rein kulturell am entscheidendsten.

 

Unser Verhalten, welches seelisch, sprich emotional, geleitet ist, kommt in der Reihenfolge vermutlich als nächstes - hier fängt es allerdings spätestens an, dass andere durch Auffälligkeiten auch profitieren können und da liegt genau der Knackpunkt: Wir alle als Gesellschaft profitieren von der einen oder anderen Störung und Auffälligkeit des Einzelnen. Ein Kaufrausch zum Beispiel kommt dem Verkäufer doch sehr gelegen (ich weiß in dieser Hinsicht genau, wovon ich rede). Auf ein strebsames Kind sind Eltern sogar noch stolz, obwohl es eine enorme geistige und körperliche Belastung darstellt, wenn ein Kind im Heranwachsen stundenlang vor'm Schreibtisch hockt und was Unternehmer von Modells und Schauspielern innerhalb der "Showwelt" erwarten, wollen wir gar nicht wissen.

 

So lange eine Störung also nur eine Auffälligkeit ist, kommt uns das eine oder andere extreme Verhalten doch gar nicht so ungelegen und ist recht unterhaltsam, richtig?

 

Wo sollten wir als Gesellschaft also Grenzen ziehen? Wo sollten wir anfangen darüber nachzudenken, warum wir körperliches Leid vor seelisches oder geistiges stellen? Wann sollten wir beginnen unsere Kinder in ihren Bedürfnissen zumindest ernst zu nehmen, auch wenn wir ihnen dadurch nicht jeden Wunsch erfüllen können und Grenzen setzen müssen?

 

Die Wahrheit ist, Grenzen zu setzen oder Wünsche zu erfüllen ist gar kein Problem, so lange wir dabei unseren Kindern vermitteln, dass es nicht ihre Grenzen sein müssen und ihre Wünsche, wenn auch unerfüllt, doch legitim und annehmbar sind. Kinder machen nichts falsch und haben keine Probleme - es sei denn wir vermitteln ihnen solche als sogenannte Vorbilder.

 

Über die Elternrolle hinaus sind wir also auch als Gesellschaft gefordert unseren Kindern lieber Beispiele zu geben und nicht länger zu denken ein "Vorbild" sein zu müssen. So lange wir ihnen Situationen und deren möglichen Umgang beispielhaft vermitteln, behalten sie zeitlebens die Freiheit selbst entscheiden zu können und diese Freiheit macht den Unterschied aus, ob aus Tendenzen nur amüsante und sogar erfolgversprechende "Auffälligkeiten" werden oder sich Störungen ergeben.

 

Also, mehr offen und bei"spiel"haft miteinander umgehen, als störendes Vorbild sein zu wollen ;)

 

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