Rückkehr nach Verden - ein Danke an Hamburg

In großen Städten ist alles etwas enger getaktet - sowohl räumlich als auch zeitlich scheint der möglichst reibungslose Ablauf überall im Vordergrund zu stehen. Da ist wenig Zeit für Spielereien und Fehltritte und entsprechend schwer werden solche geduldet. Kein Wunder, wo doch an jeder Ecke ein alternatives Angebot wartet und der Perfektionismus, verbunden mit eng gefassten Strukturen, den entsprechenden Antrieb verleiht und den Alltag zu bestimmen scheint. Ohne sich auszuprobieren kann der Mensch aber nicht wirklich wachsen...

 

Ich kam das erste mal mit Mitte zwanzig nach Hamburg. Als Naturmensch und Landei überhaupt nicht vorbereitet auf die "große Stadt" ging ich entsprechend naiv und spielerisch an die Sache ran. Was zunächst sehr willkommen schien, konnte ich in der Form aber auf Dauer nicht halten und mir vorerst leider auch nicht weiter erklären. Die Jahre in Hamburg wurden zunehmend schwerer und man könnte sagen, ich durfte dann, für meine Verhältnisse, eine harte Schule durchlaufen, in der ich oft trotzig und verletzt war und es gab lange eine Art Wut auf diese Stadt in mir, die rückblickend schlichtweg auf Missverständnissen gründete.

 

Heute möchte ich mich bei der Stadt Hamburg und seinen Bewohnern sogar bedanken; speziell bei denen, die meine "Gehversuche" mitmachten und meine Qualitäten ein Stück weit annehmen und sogar fördern konnten. Ich habe hier tatsächlich viel gelernt und einige Flausen und Missverständnisse aus dem Kopf bekommen. Das mittlerweile bessere Verhältnis zu meiner Familie und das viele Wissen und Verständnis über so manche Zusammenhänge, die ich nur hier auf diese einmalige Weise beobachten konnte, waren eine Bereicherung. Die Nähe, die ich zu mir selbst entwickeln durfte, die Ausprägung meiner Persönlichkeit, das ist es, was mir Hamburg geschenkt hat - das wäre ohne diese Stadt nicht möglich gewesen, also sage ich: vielen Dank Hamburg.

 

Was die Großstadt an Fülle, Lehrreichem und Vielfalt bietet, schränkt sie auf einer anderen Seite jedoch auch wieder ein. Da ich mich selbst jedoch in meinem Leistungsspektrum noch nicht ausgeschöpft sehe und mein Interesse an "Höchstleistung ohne Nebenwirkungen" mehr Raum und ausgewogene Mittel erfordert, zieht es mich zurück in eine der, aus meiner Sicht, wertvollsten Kleinstädte Deutschlands.

 

Ich wünsche der zauberhaften Stadt Hamburg alles nur erdenklich Gute und dass auch sie einen Weg finden mag, zukünftig vielleicht noch ein wenig mehr von uns "Landeiern" anzunehmen, denn auch wir haben Qualitäten, die wir nur nicht immer so offen zeigen (dürfen?)

 

Ich freue mich wieder auf die ländliche "Schule", die noch verbliebene Güte und Herzlichkeit, die Wertschätzung und Bodenständigkeit und vielleicht auch ein kleines bisschen auf weniger verworrene Gefühle, klarere Luft, die "Aller" und natürlich auf Familie, alte Freunde und Bekannte.

 

Beruflich wie auch privat statte ich Hamburg für ausgewählte Gelegenheiten aber weiterhin gerne einen Besuch ab und freue mich auch über Gäste aus der großen Stadt bei mir auf dem Land.

 

Hier geht es zur Gesamtübersicht meiner Blog-Artikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Karsten (Dienstag, 12 Juli 2016 11:38)

    Alles Gute dir auf deinen neuen (alten) Wegen und du wirst immer herzlich willkommen bleiben in unserem Hause in Hamburg.

  • #2

    Martina (Samstag, 24 September 2016 13:44)

    Gute Entscheidung Christian - du machst genau das richtige - weiter so und beste Wünsche und Grüße zu dir nach Verden. Martina