Straight Edge 2016

Der Begriff "Straight Edge" geht kurz gesagt auf die Punkszene der frühen 80er Jahre zurück, als einzelne Künstler sich komplett gegen den Konsum von Drogen, Nikotin und Alkohol aussprachen.

Im späteren Verlauf kamen noch Vegetarismus / Veganismus, Monogamie und andere Einstellungsmerkmale in Bezug auf Verhaltensweisen im alltäglichen und sozialen Leben hinzu.

 

Die meisten Straight Edger blieben ihren Mustern jedoch langfristig nicht treu und die deutliche Gewaltbereitschaft vieler Anhänger sorgte nicht gerade für ein positives Image dieser Szene.

 

Mich hat das Thema ebenfalls in meiner Pubertät schon angesprochen und auch wenn die Hintergründe mit der Punkmusik und meine Jahre in der Skateboardszene das Bild definitiv rund gemacht hätten, fühlte es sich für mich dennoch nicht stimmig an. Ich konnte womöglich nicht einfach etwas leben, ohne die andere Seite kennen gelernt zu haben und so verbrachte ich bis Ende 20 viel Zeit auf Parties jedoch mit Alkohol, Zigaretten und nicht immer ein und derselben Freundin...

 

Mittlerweile nach Jahren der Umstellung lebe ich aber schließlich doch vegan und ohne jegliche Form von Betäubungs- und Aufputschmitteln (Kaffee, Kakao, etc.). Ich rauche nicht, trinke ausschließlich Wasser und meide im Privaten sogar Elektrosmog. Andere Dinge wollen sich derzeit außerdem einstellen und erst jetzt verstehe ich, warum ein Leben straight edge nicht für heranwachsende, junge Menschen geeignet ist - die Wahrnehmung wird viel zu offen und klar und das damit verbundene und notwendige Verständnis kann ein junger Mensch noch gar nicht wirklich aufbringen; daher auch die Gewaltbereitschaft der jungen Anhänger dieser Szene. Viel zu viel kommt auf einmal ins Bewusstsein und diese Energie ist selbst als Erwachsener kaum zu bändigen, höchstens zu verstehen.

 

Zudem sind soziale Kontakte und Bindungen noch am entstehen, während man heranwächst und der Reiz, der von einem wie elektrisiert wirkenden Menschen ausgeht, weckt doch in Wahrheit bei den Damen eher die fürsorglichen Seiten und eine Form von Mitleid, denn häufig leiden gerade junge Körper eher unter solch einem Lebenswandel, als dass er "gesund" wäre.

 

Heute im Jahre 2016 könnte ich von Glück sprechen, dass ich bereits so vieles erlebt habe, einen wundervollen Sohn mit auf die Welt bringen durfte und heute eigenständig leben kann, denn wer sich für ein Leben straight edge entscheidet, der sollte sich in unserer heutigen Gesellschaft darauf einstellen viel Zeit mit sich alleine verbringen zu müssen um das, was hochkommt und auch warum es hochkommt, Schritt für Schritt verstehen und einordnen zu lernen. Die Wahrnehmung sollte man stets pflegen und gut behandeln.

 

Die Tendenz zur Selbstaufgabe bei Straight Edgern ist enorm groß und Selbstlosigkeit heißt nicht, sich selbst aufzugeben, es heißt schlicht und ergreifend sein Selbst nicht über oder unter das der anderen Lebewesen zu stellen: selbstlos sein heißt gleichberechtigt sein und das auch erkennen können.

 

Für konkretere Fragen stehe ich wie immer gerne zur Verfügung.

 

Hier geht es zur Gesamtübersicht meiner Blog-Artikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0