Hochsensibel weil nicht gestillt?

Überarbeitete Fassung vom 01.02.2015:

Wie hängt das zusammen und was ist Hochsensibilität?

 

Ich mag es einfach - mit diesem (verhältnismäßig) kurzen Blog Artikel möchte ich aus meiner Praxisarbeit heraus eine kurze und prägnante These und Eingliederungmöglichkeit aufstellen zum Thema Hochsensibilität.

 

Immunsystem  ---  Primärinstanz, Grundinstanz und Substanz

 

Meine These gründet auf dem Bild einer Primär- und einer Grundinstanz bei allen Menschen - das hat viel mit dem angelegten Immunsystem und der Besiedelung des Darms mit entsprechenden Bakterien und Keimen durch die Muttermilch zu tun. Dieser Text möchte bisher geltende Vermutungen über Zusammenhänge von Hypothalamus und Hochsensibilität damit nicht widerlegen, aber doch um einen möglichen Ursprung erweitern, ausgehend von der wissenschaftlichen Aussage:

"der Körper ist der Speicher, das Gehirn nur die Schaltzentrale".

 

Gestillte Kinder erhalten durch die Muttermilch das "erste Immunsystem", eine erste Schutzbarriere und Orientierungshilfe, die ihnen während des Erwachsenwerdens helfen soll, damit sie den Reizen der Umwelt nicht schutzlos ausgesetzt sind und sich eine Substanz bilden kann.

 

Der Darm wird in dieser Hinsicht in der Naturheilkunde auch gerne als emotionales Gedächtnis des Körpers bezeichnet und ich behaupte, es geht sogar noch einen Schritt weiter in den Bereich zumindest vorübergehender Identität und Charakterzüge.

 

Die Erstbesiedelung des Darms mit Keimen und Impulsen möchte ich an dieser Stelle Primärinstanz nennen, ein erster Filter und Schutz im Menschen von außen nach innen betrachtet. In ihr findet sich der Wunsch nach Befriedigung "persönlicher Bedürfnisse" wieder. Die Besiedelung des Darms durch Keime hat jedoch eine Art "Halbwertszeit" und muss irgendwann einer erwachsenen, eigenständig arbeitenden Instanz weichen. Dieser Schritt ist sehr wichtig und erklärt im Anschluss auch besser die unterschiedlichen Typen von hochsensiblen Menschen und ihre entsprechenden Wahrnehmungen.

 

Als Grundinstanz bezeichne ich hingegen die Grundanlagen des menschlichen Immunsystems und damit die direkten Schnittstellen des Darms mit dem Nervensystem, welche für die  Befriedigung von Grundbedürfnissen zuständig ist und jedem Menschen hilft nicht nur zu überleben, sondern ihm auch die Fähigkeit zu Reflektion und Wachstum erlaubt. Diese Grundinstanz ist tatsächlich von Bestand und entwicklungsfähig und hängt viel deutlicher mit dem Nervensystem und damit mit den Verbindungen zum Gehirn als Schaltzentrale zusammen als die Primärinstanz. Sie übernimmt nach dem vermeidlichen sich lösen von der Primärinstanz das "Kommando" - der Mensch wird eigenständig.

 

 

Wie hängen Hochsensiblität und die zwei Instanzen zusammen?

 

Ich behaupte nun, es gibt drei Typen von hochsensiblen Menschen, die auf die eine oder andere Art eine Thematik im Filtersystem, sprich im Immunsystem, bzw. in der Primärinstanz haben können:

 

  1. der Scanner
  2. der Carrier
  3. der Focuser

 

Der Scanner

 

Der Scanner wurde nicht oder kaum gestillt und seine Sinneswahrnehmungen sind potentiell vielseitig und zerstreut (scannt alles), wie auch seine Talente und Interessen. Er wächst ohne Primärinstanz heran und muss mit dem ersten Tag Wege finden sich emotional und auf allen Sinnesebenen anderweitig zu schützen, auszugleichen, zu balancieren um wachsen zu können, bis er/sie ein Alter erreicht hat, in welchem sich optimaler weise eine halbwegs stabile Substanz entwickeln konnte und somit die Primärinstanz generell an Wichtigkeit verliert und die Grundinstanz ihm genügend Schutz bieten kann (ein anerlerntes und ausgereiftes Immunsystem).

 

Diese Menschen stellen gerne auch unangenehme Fragen und rutschen bis ins Erwachsenenalter immer wieder, vor allem innerlich, in Extreme, weil ihnen erste Halte- und Orientierungspunkte fehlen, die normalen Menschen helfen, Situationen, Mitmenschen und mehr besser einstufen/einschätzen zu können. Starke Übertragungen der Umwelt sind möglich, dauern in der Regel aber nicht lange an. Für diese Menschen ist es schwer im Heranwachsen eigene Substanz entwickeln zu können, wenn die Umstände ungünstig sind. Ein ruhiger Rückzugsort ist essentiell.

 

Der Carrier

 

Der Carrier wurde von nicht-gestillten Bezugspersonen beeinflusst und geprägt (carrier medizinisch = Übertragung) und kann so die teils extremen Wandlungen und auch (Gefühls-)Schwankungen der Hauptbezugsperson(-en) in seine Primärinstanz übernehmen. Unausgereiftes Verhalten und Unruhe bis ins Erwachsenenalter hinein begleiten solche Menschen und spaltende Tendenzen und starke innere Konflikte aber auch Autoimmunerkrankungen (gegen die eigene Primärinstanz) können einen Teil einer solchen "Übernahme" darstellen.

 

Carrier sind teils sehr im Konflikt mit sich selbst und tun sich mit ihrer Sensibilität oft schwer, da sie ja "nur übernommen" ist, gleichzeitig aber sehr als "eigen" eingestuft wird. Sie fühlen sich angezogen und abgestoßen zugleich von hochsensiblen Scannern. Hier können die Eltern gute Arbeit leisten, wenn sie sich den Fragen dieser Kinder möglichst offen stellen.

 

Der Focuser

 

Focuser sind einfach Menschen, die durch einseitige Ausprägungen von Stärken (Focus auf einen Lebensbereich/Fähigkeit) mit der Zeit eine einseitige Überlastung erfahren - diese Menschen haben einfach "über die Muttermilch" stark einseitige Tendenzen erhalten, die ihnen den Wandlungsprozess der Primärinstanz hin zu einer eigenen, stabilen Grundinstanz (einem eigenen Charakterbild) schwer machen. Jahrelange, einseitige Belastungen fordern dann ihren Preis und es fällt diesen Menschen schwer von Ihrem Selbstbild (Primärinstanz) loszulassen. Starke Übertragungen der Umwelt sind möglich und werden schwer losgelassen, da Loslassen generell als schwierig angesehen wird.

 

Diese Menschen entwickeln oft auch erst im Alter eine spezifische hochsensible Sinneswahrnehmung / Störung; meist beschränkt sich diese sensible Wahrnehmung jedoch auf einen, max. zwei Sinne, die in unmittelbarem Zusammenhang zu ihren ausgereiften, wenn nicht ausgereizten Stärken stehen. Identität ist ein guter Ansatzpunkt um auch therapeutisch hier Gutes tun zu können - wer bin ich und wer glaube ich sein zu müssen?

-

 

Jetzt können Sie sagen: dann sind ja beinahe alle Menschen hochsensibel?

 

Hochsensibilität ist bis auf wenige Ausnahmen ein Kann Zustand und kein Ist Zustand - dennoch können solche Einteilungen helfen und sind bitte, wie erwähnt, nur als Option zu verstehen.

 

Bei weitergehenden Fragen kommen Sie gerne auf mich zu.

 

19.11.2014 von Christian Grotheer

 

Hier geht es zur Gesamtübersicht meiner Blog-Artikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Carina (Montag, 02 Februar 2015 10:33)

    Hab hier einen schönen Artikel zum Thema Scanner gefunden, falls jemand mehr darüber wissen möchte:

    http://open-mind-akademie.de/die-vielbegabte-scannerpersoenlichkeit-2/