Die Notwendigkeit von Wahrheit und Illusion

Welche Ursachen es auch haben mag, dass einige Menschen gefühlt der Wahrheit nur so hinterher rennen und andere ihr anscheinend so weit wie möglich aus dem Wege gehen und sich eher Träumen und Illusionen widmen, sei an erster Stelle einmal dahin gestellt.

 

Tatsache ist, dass zwischen diesen beiden offensichtlichen Notwendigkeiten des Lebens ein Konflikt und eine Verbindung zu gleich besteht. Ob dieser "Konflikt" nun in sozialen Strukturen oder aber in der Natur des einzelnen Menschen liegt, möchte ich an dieser Stelle auch nicht näher erörtern, jedoch eine mögliche Theorie in den Raum stellen in die sich der eine UND der andere gerne einmal hinfühlen mag um zu schauen in wiefern sich da eine Zustimmung oder eine Ablehnung zeigen mag.

 

Wenn zwei Dinge, wie Wahrheit/Wahrheitsfindung und Illusion/Magie und Träumerei sich immer wieder entgegen stehen, muss doch in irgendeiner Form eine Art Polarität dahinter stecken. In der Chinesischen Elementelehre werden als Paare gerne Erde und Holz bzw. Feuer und Wasser einander entgegen gestellt. Der Erde spricht man auch die Fähigkeit des Haltgebens, des Aushaltens und der "Dämpfung" und Speicherung zu. Dem Holz hingegen sagt man eher Qualitäten nach wie Kreativität, Drang nach Weiterentwicklung und Ausdrucksvermögen. Interessanterweise erscheinen mir hier schon zwei Ursachen wesentlicher menschlicher Tendenzen uns ein Stück weit in die richtige Richtung zu bringen, sprechen wir über Wahrheit und Illusion.

 

Aus meiner Arbeit in der Prozessbegleitung und im Austausch mit Kollegen aus Naturheilkunde und Psychologie ist mir nicht nur eine mögliche Theorie der Einteilung von Menschentypen zugetragen worden und scheinbar gibt es tatsächlich im Naturell bedingt Tendenzen charakterlich sich in die eine oder andere Richtung mit Anbeginn der eigenen Existenz zu richten.

 

Wir entwickeln uns im Leben aber weiter und wo die Wissenschaft oft bemüht ist der Wahrheitsfindung nachzugehen um sinnvolle Strukturen für den Einzelnen wie auch die Gesellschaft hervorzubringen, neigen spirituelle Pfade und religiöse Einrichtungen eher in die Beschwichtigung und manchmal sogar in die Fantasie, Illusion und Träumerei über mögliche, zukünftige Welten, die auf unser jetziges Zeitalter folgen sollen/müssten.

 

Vielleicht ist es einfach Zeit beide Seiten anzunehmen...

 

Ich erlebe in der Begleitung oft genug junge Studenten, deren Köpfe interessanterweise nicht minder Qualmen von all dem erlernten Wissen und den Erkenntnissen wie auch die Köpfe der Professoren und Lehrkräfte eben dieser Studenten, die sich in dem Sinne alle samt eher der Wahrheitsfindung, der Weiterentwicklung und dem Wissensaufbau verschrieben haben. Ja, Lehrern wie auch Schülern ist all dieser Stoff manchmal zu viel.

 

Vornehmlich Arbeitnehmer und einseitig körperlich arbeitende Klienten neigen hingegen vielfach zu Träumereien oder Wünschen, wie sie sich die Zukunft vorstellen und zeigen oft eine Art Erschöpfung gegenüber dieser "rasanten" Entwicklung auf.

 

Vielleicht wäre es ja möglich Wahrheit und Träumerei als zwei wichtige Instanzen im Leben annehmen zu lernen und dass es weniger darum geht das eine oder das andere zu verteufeln, negativ zu behaften oder gar zu versuchen es aus dem eigenen Leben fernzuhalten - das klingt aus meiner Sicht als würde ich versuchen nur meinen linken Arm sehen und nutzen zu wollen und versuchte den rechten von mir fernzuhalten oder andersherum.

 

Tatsächlich gibt es derlei bekannte Beschwerdebilder, wo Bereiche ob körperlicher oder psychischer Natur versucht werden aus dem Gesamtprozess des menschlichen Funktionssystems auszuklammern, wo an dieser Stelle gerne einmal über mögliche Verküpfungen nachgedacht werden darf.

 

Ich möchte schließlich, um der Unterhaltung auch an dieser Stelle zunächst ein Ende zu bereiten, die freie Übersetzung des Zitates von Carl Sandberg anführen: "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin." (Im Original: Sometime they'll give a war and nobody will come.")

Das Original hat im Grunde noch mehr Bedeutung, da er aus meiner Sicht darauf hinweisen möchte, dass wir jeder Zeit die Möglichkeit haben nicht mehr mitzuspielen, wo es zuviel des Guten ist; Irgendwann (sometime), so hofft er, werden wir auch unsere inneren und innerkulturellen Kriege entdecken/erkennen und dann spricht man nicht mehr von Kriegsdienstverweigerern, sondern von Kriegsverweigerern und an dem Tag, an dem ein ganzes Volk sich hinstellt und sagt: Mögt ihr Mächtigen eure Kriege in euch haben, wir haben sie nicht mehr - an dem Tag haben wir Frieden gefunden mit uns selbst und damit unter anderem vielleicht auch in dem Konflikt zwischen Wahrheit und Illusion.

 

von Christian Grotheer

 

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