Angenommen oder abgelehnt - Nähe und Distanz

Auf Grund eines interessanten Austausches in einer gestrigen Gruppe möchte ich noch mal ein wenig auf das Thema Angenommen werden oder Ablehnung erfahren eingehen:

 

Was sind mögliche Positionen und Beweggründe beider Parteien in einem hilfesuchenden Dialog? Ein Dialog kann auf vielerlei Art entstehen und muss nicht immer mündlich erfolgen - Handgreiflichkeiten, Blicke, Wahrnehmung alleine können schon zu einer Form von Dialog führen und je unterschwelliger sich dieser darstellt, desto komplexer kann ein daraus folgender Konflikt sein, wird dieser Dialog von einer Seite aus nicht erwiedert oder gar abgelehnt.

 

Der "Hilfesuchende":

Dem Menschen, der an einen anderen ein Anliegen hat, welches er gerne zum Ausdruck bringen möchte, fehlt es im selben Moment an innerer Dialogfähigkeit, man spricht in diesem Fall auch von einem fehlenden "Gegenüber", welches man nun im außen sucht. Diese Reaktion ist absolut menschlich und eine legitime momentane Lösung für aufkommende innere Themen, Fragen, Anliegen.

 

Gründe für Anliegen, die nach außen gestellt werden, können sein:

  • momentaner fehlender innerer Halt
  • eine vorhergehende Überforderung
  • ein Mangel an eigener Umsetzungsenergie
  • fehlender zwischenmenschlicher Austausch
  • Entwicklungsschübe, etc.

In den meisten Fällen sind dem Hilfesuchenden die wahren Hintergünde nicht bekannt, er fühlt lediglich einen inneren Druck, den er nach außen zum "Ausdruck" bringen möchte.

 

Der potentiell Helfende:

Im seltenen Idealfall ist der Helfende oder auch Angesprochene sich der Anfrage an seine Person bewußt und kann ausgeglichen und haltvermittelnd auf den Suchenden eingehen und mit ihm gemeinsam das Anliegen erörtern und evtl. und unter Umständen sogar vertiefen. Hierfür bedarf es jedoch einer ausgeglichenen Gesamtsituation im Helfenden, damit er nicht zum "hilflosen Helfer" wird, was weder Hilfesuchendem noch Helfer meist klar ist.

 

Gründe der Ablehnung/Von-sich-weisung können sein:

 

  • der Angesprochene ist nicht in der Lage dieses "Anliegen" zu beantworten
  • der Angesprochene hat zu viele eigene Anliegen
  • es mangelt an Halt und der nötigen Erfahrung für dieses Anliegen
  • Überforderung allgemein

Fragwürdige Gründe der Annahme können sein:

 

  • der Angesprochene antwortet nicht aus Mitgefühl sondern aus Mitleid
  • der Angesprochene verspürt Scharm bei der Zurückweisung
  • Angst lähmt ihn und der Suchende missversteht die Ruhe
  • eigene schmerzliche Erfahrungen in der Ablehnung mobilisieren Energiereserven
  • usw.

Nähe und Distanz zwischen zwei Menschen hat in den meisten Fällen weder einen positiven noch negativen Charakter und Missgunst treffen wir bei näherer Betrachtung auch nur selten an. Meist ist die Situation für den Moment einfach wie sie ist. Wenn ich aus Angst getrieben einen anderen Menschen um eine Antwort bitte, die dieser selbst noch gar nicht kennt / gerade nicht in der Lage ist zu geben, kann ich bohren und beschuldigen so lange ich will, der Nutzen wird fragwürdig sein. Versuche ich aus gutmenschlichen Motiven irgendeine Antwort zu geben, führt auch dies vermutlich zum Konflikt.

 

Die meisten von uns sind keine Psychologen oder sonst wie Experten auf diesem Gebiet und reagieren im Grunde nach bestem Wissen und Gewissen und der Schmerz der Ablehnung oder auch der der Annahme hat immer eine Vorgeschichte, die selten bei den zwei Menschen begründet liegt, die sich im Hier und Jetzt versuchen im Dialog zu finden.

 

Eigenverantwortung, Akzeptanz, Zeit, Geduld und mehr sind die besten Lösungen aus meiner Sicht um sich den wahren Hintergründen stellen zu können, aber ich bin auch immer offen für andere Ideen, die dieses Thema bereichern und beflügeln können.

 

von Christian Grotheer

 

Hier geht es zur Gesamtübersicht meiner Blog-Artikel.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0