Welche Therapie macht Sinn?

Hat Körpertherapie Vorteile gegenüber herkömmlicher Psychotherapie?

 

Längst vorbei sind die Tage, an denen Körpertherapeuten ihren Kollegen aus der rein psychologischen Therapie gegenüber Rechenschaft ablegen mussten über Nutzen und Sinn ihrer Arbeit. Seit den 80er Jahren haben sich Formen der Körperarbeit wie Shiatsu, Osteopathie, Cranio- Sacral-Therapie und viele mehr zunehmend in ihrer Wirkweise und Effizienz behaupten können und damit die Möglichkeiten einer Wahl der Therapiemethode für viele Menschen um einiges bereichert.

 

Wirkprinzip

Wo die Neurologie schon ausreichend Verbindungen zwischen Vernunft und Emotionen herstellen und damit aufzeigen konnte und das Zusammenspiel von Amygdala (dem Mandelkern - das Gehirn im Gehirn) und dem Neokortex (der Hirnrinde) Basis vieler moderner Methoden und der verbesserten Medikamentenentwicklung ist, war es schließlich ein Leichtes einen weiteren Zusammenhang aufzeigen zu können zwischen Gehirnfunktionen und Körper-/Muskelreaktionen im Verbundsystem der Nervenbahnen.

Jeder Psychologe und Therapeut weiß heutzutage, dass körperliche Reaktionen und Haltungsmuster einen Zusammenhang finden zu Erlebtem und inneren Einstellungen eines Menschen. Ereignisse die prägend für uns Menschen sind und an denen wir auch wachsen dürfen finden ihre Verknüpfungen in körperlichen Symptomen und Abläufen.

 

Die größte Anerkennung fanden in den vergangenen Jahren aus dem Westen stammende Körpertherapieformen wie z.b. die Osteopathie, welche durch ihr für uns wissenschaftliche Europäer nachvollziehbares Wirkprinzip bereits tiefer und achtsamer auf Muskelapparat und Faszien eingehen kann als die klassische Massage oder Physiotherapie. Jedoch blieb auch der Osten nicht untätig und dank der erweiterten Sichtweise und unter Einbeziehung des energetischen und spirituellen Aspekts wuchs auch das Interesse an indischen und fernöstlichen Methoden wie Tuina und dem aus Japan stammenden Shiatsu, einer Form der Akupressur, welche sich an dem jahrtausendealten Wirkprinzip der TCM (Traditionell Chinesischen Medizin) orientiert.

 

Im Ganzen betrachtet müssen wir uns ein Stück weit bei der Globalisierung bedanken, die uns den Zugang zu einem weiteren Horizont an Möglichkeiten anderer Kulturen eröffnet hat. Speziell wissenschaftlich nachweisbare physische und energetische Wirkprinzipien gewinnen mehr und mehr an Aufmerksamkeit und was noch vor wenigen Jahren als spiritueller Hokuspokus bezeichnet wurde, steht nun mehr denn je im Rampenlicht ernsthafter Studien und Untersuchungen (die Akupunktur sei hier nur als ein Wirkprinzip bezeichnet).

 

Ein großer Vorteil der Körperarbeit scheint der zusätzliche Sinnesreiz der Berührung zu sein neben den bisher klassisch gewählten Formen der Stimulation in der Psychotherapie durch Stimme oder in einigen Fälle auch schon über geruchs- bzw. visuelle Reize (Anfänge EMDR). Näher am Patienten dran zu sein, hat aber auch den Preis als Behandler stärker emotional und körperlich mit einbezogen zu sein und die jeweiligen Grenzen zu wahren und achtsam zu hinterfragen wird wichtiger denn je.

 

Das Prinzip Wirkung und Gegenwirkung

Gerade im klassischen Shiatsu wird Achtsamkeit groß geschrieben und der auch hier so genannte Dialog spielt eine große Rolle. Ein Shiatsupraktiker geht davon aus, dass Kommunikation nicht nur auf mündlicher Ebene sondern auf vielerlei Ebenen stattfindet und durch Technik, Erfahrung und nötiges Feingefühl energetische und physikalische Blockaden oder besser gesagt Verknüpfungen am/im Körper des Patienten ausfindig gemacht und über empathische Berührung und massierende Bewegungen wieder in Einklang gebracht werden können.

 

Das "Chi", oder im Shiatsu "Ki" genannt, taucht auch in anderen Bereichen Asiatischer Kultur z.b. im Tai Chi oder im Qi Gong wieder auf und soll die Lebensenergie beschreiben, welche maßgeblich an Funktions- und Lebensprozessen mit beteiligt ist. Der Ausgleich diese Flusses der Lebensenergie ist auch in der Akupunktur das Ansinnen des Therapeuten.

 

Nach der Vorstellung einiger Shiatsupraktiker findet zwischen den Energieflüssen des Behandlers und denen des Patienten unabhängig von Technik und Methode ein Austausch statt, ein Prinzip von Wirkung und Gegenwirkung - man spricht hier von unterbewußter Kommunikation. Nushiatsu z.B. ist ein Shiatsu Stil, bei welchem Stand der Persönlichkeit, Gesundheit und Menschlichkeit eines Behandlers auf gleiche Höhe gestellt werden, wie technische Fähigkeiten und Erfahrungen. Die Existenz unterbewußter oder auch energetischer Kommunikationsmöglichkeit (Chi) wird zu 100 % angenommen und ins Leben integriert, da ohne sie Entwicklung und damit Lösung von Blockaden, Weiterentwicklung und Gesunderhaltung nur erschwert stattfinden können - ein Leben im Dienste des Chi/Ki.

 

Ohne eine Bereitschaft des Patienten jedoch, die entdeckten Verknüpfungen angemessen loszulassen und für die weitere Bearbeitung im System freizugeben, sei auch hier ein Vorankommen schwierig und da müsse man mit gutem Beispiel vorangehen (wundersame Lösungsprozesse, wie sie gerne als funktionierende Beispiele herangezogen werden, sind da offenbar eher Einzelfälle und ihr Sinn wird im Nushiatsu in Frage gestellt).

 

Fazit

Auch in Zukunft werden wir in Außnahmefällen nicht auf medizinische und psychiatrische Medikation und Hilfsmittel verzichten können und am Ende scheint der Erfolg einer Therapie, sei sie nun körpertherapeutisch oder psychologisch, doch wie schon so oft vermutet ebenso vom Vertrauensverhältnis zum Therapeuten und einer eigenen Bereitschaft zur Veränderung abzuhängen wie auch von gut ausgeführter Technik. Weiß ich um meine persönlichen Sinnesstärken, d.h. bin ich eher ein auditiver Mensch, ein taktiler oder visueller usw., kann ich schließlich einfach und schnell entscheiden, welche Richtung für mich die richtige ist und an der Tatsache einen Therapeuten doch auch persönlich kennenlernen zu müssen kommen wir offensichtlich alle nicht vorbei.

 

Copyright, Christian Grotheer, 2013

 

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