Die neue Droge Bildschirm

Seit im Jahre 1886 ein Herr Paul Nipkow die Idee eines Fernsehapparats in einem Patent dargelegt hat, prägen diese "bewegten Bilder" unser Leben zunehmend. Unterhaltung, Entertainment, Freude - so viele Emotionen und Eindrücke werden heutzutage mit diesem Medium verknüpft. Ich selbst erinnere mich an Momente aus meiner Kindheit zurück in denen der Fernseher am Abend der Platz war, an dem die Familie zusammen kam und den Abend gemeinsam verbrachte, ohne Vorwürfe, ohne Streit und mitfiebernd mit den Kandidaten der Shows, die wir sahen, uns austauschend über die Bilder, die uns unterhielten. Der Fernseher war in meinem Fall sogar ein Vorbildersatz, denn die großen und kleinen Helden der Action- und Zeichentrickfilme gaben mir Ideen davon, wie mein zukünftiges Leben im besten Fall aussehen sollte...

 

Ein Leben ohne Bildschirme ist in einer Zeit von Flatscreens, Computerarbeit, Smartphones und Tablets undenkbar geworden und soll im Folgenden auch nicht propagiert werden. Was mich jedoch bewegt diese Zeilen zu schreiben sind Beobachtungen, die ich als "schwierig" bezeichnen möchte:

 

Durch die Digitalisierung unserer Welt werden soziale Kontakte auf eine virtuelle Ebene gesetzt. Berufliche Bedingungen und Anforderungen sorgen in vielen Fällen dafür, dass ein Archivieren oder Sichern von Daten nicht mehr im Karteikasten erfolgt sondern den Bildschirm als Mittel der Wahl unersetzlich macht. Werbung wird uns in der Bahn oder sogar auf der Straße mittlerweile vielerorts über Bildschirme nahegebracht. Printmedien? Was ist das? Ein Buch in der Bahn lesen? Wozu gibt es neuerdings die digitale Version?

 

Ich führe derzeit ein Selbstexperiment durch, welches mir pro Tag nur eine Stunde „Bildschirmbetrachtung" zugesteht, egal in welcher Form und meine Ergebnisse bisher: Es gelingt mir an den wenigsten Tagen!

 

Was reizt uns eigentlich so am Bildschirm und seiner unablässigen Berieselung?

 

Immer häufiger hört man von Begriffen wie Computersucht, Videospielesucht, Fernsehsucht und weitere. Der Begriff Handydaumen, aus welchem sogar ein Krankheitssyndrom entstanden ist oder die bekannte "Bildschirmhaltung" ergänzen u.a. dieses Bild nur. Der vermeintliche Nutzen, der uns aus der Arbeit mit einem Bildschirm entsteht ist vielfältig - man spricht auf emotionaler Ebene von Ruhe, Ablenkung, Euphorie; man ist sozial immer in Kontakt und informiert und kann so mitreden; man verdient sein Geld maßgeblich mit einer Tätigkeit, die primär vor einem Bildschirm stattfindet; Bildschirmarbeit soll uns das Leben erleichtern.

 

Was passiert vor dem Bildschirm wirklich?

 

In den achtziger Jahren gab es eine bekannte Werbekampagne, welche versprach: Mit Zucker lacht das Leben! In den darauffolgenden Jahren entdeckte die Forschung und Medizin, dass dem keineswegs so ist. Raffinierter Einfachzucker, worauf die Werbung anspielte, ist im Stoffwechselsinne des Körpers wie ein Versprechen, was nicht gehalten wird - dem Körper wird Energiezufuhr suggeriert, doch in Wahrheit kostete und kostet es ihn Kraft, die kleinen "vorbereiteten" Raffinessen zu verdauen. Die Auswirkungen sind bei erhöhtem Konsum bekannt und sollen hier nicht weiter erläutert werden.

 

Was passiert nun vor Bildschirmen? Die gute Nachricht ist, die Qualität der Bildschirme und ihrer Strahlung hat sich seit ihrer Erfindung enorm verbessert. Dennoch sorgt eine von einem Bildschirm ausgehende Strahlung für Bewegung, was im ersten Moment gut klingt. Bei längeranhaltender Betrachtung und "Bewegung" entsteht jedoch das genaue Gegenteil; im ersten Moment erzeugen Bildschirme so etwas wie einen gleichbleibenden Rhythmus für unsere Augen, der extrem beruhigend wirken kann, beinahe hypnotisierend. Weil es sich bei Bildschirmen um eine unnatürliche/künstliche Quelle von Sinnesreizung handelt wird das Auge längerfristig jedoch überstimuliert, d.h. in erster Instanz lässt die Funktion der Augen, ihre natürliche Bewegung und Befeuchtung nach.

Weitergehend versucht sich das System vor dieser mittlerweile unangenehm werdenden Stimulation/Bewegung zu schützen indem es sich insgesamt weniger bewegt, was allgemein als Computerhaltung bekannt geworden ist. Die Stimulation hört jedoch immer noch nicht auf und wir werden unruhig. Spätestens hier sollten wir eigentlich unserer Gesundheit zu Liebe reagieren und zumindest einen Moment ablassen vom Bildschirm. In der weiteren Folge sind die Mittel und Wege zu denen wir greifen vielfältig - alles was beruhigt und uns davon ablenkt zu sehen, was mit uns passiert, wird zum begehrten Gut: Zigaretten, Schokolade, Alkohol, exzessiver Sport danach usw..

Mittlerweile sind Körper und Psyche in einem Modus, den man als "festgefahren" bezeichnen könnte und was zunächst so beruhigend erschien, hat uns jetzt aus der Bahn geworfen und beginnt uns zu belasten.

 

Die Folgen/ der Rattenschwanz

 

Ist es im Privaten, fliehen die meisten von uns vor den beruhigenden Bildschirm (ob Computer oder Fernseher) um sich von ihren realen Schwierigkeiten im Leben oder sogar Schmerzen (seien sie körperlich oder seelisch) abzulenken. Die Folge ist jedoch ein anderer resultierender Schmerz aus der Ablenkung selbst.

Ist es auf der Arbeit, stehen wir oft genug unter Zeitdruck oder spüren die Belastung durch den Markt allgemein, der uns keine Pause vom Rechner gönnt und da wir unsere Anstellung und unser wirtschaftliches Einkommen nicht aufs Spiel setzen wollen, arbeiten wir hart und beständig weiter um über den Rechner zumindest eine zeitliche Ersparnis der Arbeitsprozesse erzielen zu können, welche uns den Mitbewerbern gegenüber evtl. den nötigen Vorsprung verschafft, denn es ist ein Kampf, jeden Tag von neuem... wie es scheint.

 

Die Belastung wird spätestens im Alter deutlich durch Verspannungen am ganzen Körper. Weitergehend wissen wir mittlerweile, dass reflektorisch die Muskulatur auch Einfluss auf unser Organsystem hat und so können in der Folge Organe ihre Arbeit nicht mehr richtig durchführen und es kommt zu Verdauungsbeschwerden, Entgiftungsblockaden, Unruhe und weiteren auch psychischen oder psychosomatischen Folgen.

 

Warum hören wir nicht auf?

 

Ein Leben ohne den Bildschirm ist in unseren Sozial- und Wirtschaftsstrukturen nicht mehr möglich. Die daraus entstehenden körperlichen und seelischen Folgen können wir nicht gänzlich verhindern und oft ist es die Angst vor dem Schmerz oder die Angst vor der Angst, welche uns weitermachen lassen wie bisher.

 

Was können wir tun?

 

Wir können lernen wieder mehr auf unsere Grenzen zu hören und ab und zu den Blick aus gutem Grund abzuwenden. Wir brauchen Abwechslung zwischendurch. Die Augen entspannen sich schnell schauen wir immer mal wieder für ein paar Momente aus dem Fenster. Bewegung: stehen Sie auf und bewegen Sie sich oder fangen Sie schon vor dem Rechner an sich zu bewegen. Achten Sie darauf sich einen ausgleichenden Sport zu suchen, nicht einen entkräftenden. Trinken Sie genug und achten Sie ab und zu auf Ihre Ernährung und vor allem auf Ihre Ernährungsweisen. Wenden Sie den Blick wieder den Dingen zu, die sie verleitet haben auf den Rechner zu schauen - was hat Sie beunruhigt, dass Sie vermeintliche Ruhe vor einem Bildschirm gesucht haben? Sich den Dingen stellen ist unabdingbar für ein Gesunden und Gesundbleiben.

 

Versuchen Sie nichts zu erzwingen und ein wenig Training und Herausforderung tut unserem Körper auch gut, aber versuchen Sie am Ball zu bleiben und Schritt für Schritt weiterzumachen, damit Sie Herr des Bildschirms bleiben und nicht der Bildschirm Herr über Sie wird.

 

 

Copyrights, Christian Grotheer, 2013

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Joka (Dienstag, 05 Februar 2013 14:43)

    Ich selbst ertappe mich immer wieder dabei Laptop und Iphone in einem nicht sinnvollen Maß zu gebrauchen.. Dabei scheinen die Gründe dafür ins Netz zu gehen anfangs immer so unabdingbar und nützlich. Es geht doch auch so schnell..
    Leider kommt man immer wieder vom hundertsten ins Tausende und eh man sich versieht hat man ein zwei Stunden Lebenszeit verplempert. Gut dass du mit deinen Worten daran erinnerst. Ich wünsche dir einen schönen Tag abseits vom Bildschirm :)

    Lieben Gruß,
    Johanna

  • #2

    tamtam (Dienstag, 09 Februar 2016 23:58)

    Zum Jahreswechsel hatte ich nur den Vorsatz endlich das Soziale Netzwerk zu verlassen.Ganz ohne Ankündigung und tamtam gelöscht..Keinen Tag bereut :-) und die Menschen stehen plötzlich sogar vor der Haustür und echte Gespräche und nicht nur stumpfes "gefällt das" fühlen sich nicht nach verplemperter Energie an.